thomas lang

t h o m a s l a n g . n e t

Was wir jagen, wenn wir Moby Dick jagen

Wie sich die Lesarten des vor 170 Jahren erschienenen Romans von Herman Melville verändert haben, vom allegorischen oder symbolischen in eine sehr konkrete, auf unseren Umgang mit den Walen und der Natur als solcher bezogene, war Gegenstand eines kurzen Vortrags, den ich am 3. Juli beim Mahler-Forum in Klagenfurt gehalten habe. Für Gustav Mahler war die Natur ein zentraler Bezugskpunkt seiner Kompositionen.

Mahler hat sich vor 120 Jahren ein »Komponierhäuschen« oberhalb der Wörthersees bauen lassen, in das er sommers bereits am frühen Morgen ging, um in der Waldeinsamkeit seine Musik zu schaffen. Direkt neben diesem Haus fand der 2. Teil des Forums statt. Es ging darum, „unsere eigene Position in dem, was wir »Natur« nennen, neu zu erfahren“. Das Programm des Forums findet sich hier.

Klagenfurter Literaturkurs

1999 war ich Teilnehmer beim Klagenfurter Literaturkurs, 2021 war ich einer der Tutoren. Das ist eine besondere Schreibwerkstatt, weil es dabei nicht um Übungen oder das Entwickeln von Ideen geht. Vielmehr senden die Bewerber einen Prosaext von etwa zehn Seiten Länge ein. 3 erfahrene Autoren, in diesem Jahr Annette Hug, Ludwig Laher und ich, begutachten die Texte, befragen und beschnüffeln sie von allen Seiten, packen sie an ihren Schwachstellen und versuchen sie aufs Kreuz zu legen – heben aber auch ihre Schönheiten und Stärken hervor und fördern ihre Qualitäten.

Das hat mir großes Vergnügen bereitet und ich durfte lernen, dass es da draußen immer noch Menschen gibt, denen das Schreiben sehr wichtig ist. Wichtig für mich war 99 neben den Tutorengesprächen, den Lesewettbewerb als Zuschauer schon mal kennen lernen zu dürfen. Als ich 2005 selbst am Wettbewerb teilnahm, waren mir das Studio, die Wege, die Atmosphäre vertraut. Das reduzierte den Stress. Unsere jungen Autoren konnten den Bewerb diesmal leider nur im Public Viewing ansehen. Die Jury war im Studio isoliert …

Wer wissen will, wie die jungen Leute den Kurs erlebt haben, findet kurze Interviews in Format »Sprachzimmer« des Robert-Musil-Museums Klagenfurt hier.

Emily Dickinson – Serie vs Spielfilm

Auf artechock ist eben meine Betrachtung über die völlig unterschiedlichen Filme erschienen, die Emily Dickinsons Leben erzählen – A Quiet Passion von Mike Davies und Dickinson von Alena Smith. Beide könnten gegensätzlicher kaum sein. Cunst tritt an gegen Comedy – nur was folgt daraus?

»… In der nächsten Szene steigt Emily zum Tod in die Kutsche. Sie trägt ein knall­rotes Kleid und der Tod, ein ultra­läs­siger Typ mit Zylinder und Brille (gespielt vom Rapper Wiz Khalifa), sagt ihr, dass sie die einzige aus der Familie ist, über die man in zwei­hun­dert Jahren noch sprechen wird …« Mehr lest ihr hier.

»Freinacht« – Das Hörspiel

Am Samstag, dem 8. Mai, wird die Hörspielfassung meines Romans »Freinacht« gesendet. Ich glaube, dass ein spannendes und bewegendes Ohrendrama entstanden ist, und wer möchte, kann am Samstag den Bayern-2-Knopf an seinem Radio drücken. Online geht natürlich auch.

Samstag, 8.5.21 ab 15.05 Uhr: »Freinacht« – Das Hörspiel

Anschließend könnt ihr mich im Gespräch mit Thomas Kretschmer über das Hörspiel und die wahre Begebenheit, auf der es fußt, hören: „Der Wirklichkeit gerecht werden“ (bis 16.23 Uhr)

Darum geht es (In den Worten des BR):

Bei der Geburtstagsfeier der 16-jährigen Elle auf dem stillgelegten Bahngelände einer Kleinstadt stößt ihre Clique auf die Leiche eines erfrorenen Mannes. Die Situation eskaliert, aus einem Witz wird eine Tat, die Jugendlichen prügeln auf den Toten ein, machen Fotos und Filme. Diese Nacht ändert ihr Leben schlagartig. Vor allem für Elle stellen sich Fragen. Wer war der Mann? Wie konnte es so weit kommen? Als die Tat auffliegt und ein medialer Sturm folgt, ist in Elles Gedankenwelt der Tote bereits zum ständigen Begleiter geworden, mit dem sie stille Zwiesprache hält. Nach einer wahren Begebenheit entwickelte Thomas Lang ein Hörspiel über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne. Freinacht ist ein dunkles Gesellschaftsspiel. Es zeigt die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, wie das Erwachsenwerden zur existenziellen Herausforderung wird – aber auch, dass die Wahl besteht, eine falsche Entscheidung nicht das weitere Leben bestimmen zu lassen.

En Passant – Performance

Am 29.4.21 haben Christina Bitter und ich zusammen eine Aktion in Bamberg gemacht. »En Passant« legte den Akzent auf das Entstehen von Bildern und Texten und thematisierte die Verbindung-Trennung zwischen Performierenden (in einem geschlossenen Laden) und Passierenden (im öffentlichen Raum davor).

Marie Castner schrieb dazu im Fränkischen Tag (5.3.12, der Gesamtartikel ist leider hinter der Paywall versteckt):

« Von den zwei Schlagworten ausgehend folgen die beiden im künstlerischen Prozess ihren spontanen Eingebungen – assoziativ. „Aus dem Moment heraus“, nennt es Lang. So entstehen Strich für Strich, Wort für Wort ihre Werke. Ist Lang mit seinem Text fertig, druckt er ihn aus und hängt ihn neben von Bitters Bild. Im leeren Ladenraum hinter ihn liegen die fertigen Arbeiten. […]

„Es ist ein Work in Progress“, sagt von Bitter. „Es geht weniger um das Ergebnis, sondern die Menschen sollen an unserer Arbeit teilhaben. Wir wollen eine Kommunikation mit den Bürgern herstellen.“ Wenn in Pandemie-Zeiten schon kein direkter Austausch möglich ist, dann eben ein indirekter: Das Schaufenster isoliert, schützt aber auch alle Beteiligten. Gleichzeitig bleiben die Kulturschaffenden sichtbar. »

Brief an meine Eltern

Ende April 2020 schrieb ich den dritten und letzten Essay, in dem ich mich mit der ersten zeit Covid-Krise befasst habe. Mein Vater ist wenige Wochen darauf – nicht an C – verstorben. Der Brief erschien im Magazin Hundertvierzehn des Fischer-Verlags.

Liebe Eltern,

dies ist der erste Brief, den ich euch seit etwa vierzig Jahren schreibe. Vor über dreißig Jahren haben unsere Wege sich getrennt, ich bin am Main und später an der Isar gelandet, ihr wohnt seit Ewigkeiten nicht allzu weit vom Rhein. Dort harrt ihr aus, du, Vater, seit neunzig Jahren in demselben Ort. Ich kann mich noch erinnern, ich war zehn, dass wir ein Telefon bekamen. Bis dahin kam die Nachbarin, wenn jemand anrief, und holte uns. Heute liegt ein Glasfaserkabel in eurem Keller, der Router hängt an der Wand, doch ihr wollt kein Internet. Ihr braucht kein Smartphone, das Festnetz und der Fernseher reichen euch aus. Und mir reichten drei, vier Besuche jedes Jahr – für ein paar Tage, seit achtzehn Jahren meistens mit Familie oder wenigstens den Kindern. Du, Mutter, wurdest neunzig, wir feierten im Januar mit Kindern, Enkeln und dem Urenkel. Wir hatten keine Vorstellung davon, wie sich bald alles ändern sollte. Die Feier wollten wir nicht auslassen, weil es die letzte sein könnte. Aber das war auch bereits seit Jahren so.

Zum nächsten neunzigsten im Mai wird es nun keine Feier geben. Die Blumenbeete blieben dieses Frühjahr liegen, es wächst, was wächst. Ihr bleibt im Haus, da lebt ihr sowieso ganz vorwiegend, seit das Auto nur noch in der Garage steht. Der Pflegedienst kommt jeden Tag, meine Geschwister bringen Lebensmittel und helfen euch im Alltag. Kontaktbeschränkungen sind euch nicht neu. Ihr sagtet mir am Telefon, dass ihr keine Angst vor dieser Krankheit hättet. Ihr erwartet ja den Tod und vielleicht haben wir Kinder mehr Angst vor eurem Sterben als ihr selbst. Als ihr aufwuchst, herrschte Krieg, ihr habt schlimmere Tage gesehen. Vielleicht rührt daher eure Gelassenheit oder eher, will mir scheinen, Ergebenheit, euer Haltung, gegen die ich schon oft protestiert habe, man müsse alles nehmen, wie es kommt.

Jetzt ist es also so gekommen. Wir sind beschränkt, das ist für die, die nach euch kamen, ein seltsames Gefühl. Wir kriegten die mildeste Ahnung von dem, was Mangel heißen könnte, was Ausgangssperre, was willkürliches Sterben. Ich kenne das von euren Geschichten, und ohne etwas in der Art erlebt zu haben, spüre ich: Es ist kein Vergleich. Doch etwas schwingt, ihr redet plötzlich wieder davon, wie der Krieg begann, wie die Geschäfte sich leerten, wie die Leute verschwanden.

Wir dagegen erleben ein Als-ob. Ich kenne Leute, die seit vielen Wochen quasi eingesperrt sind – wir haben Freunde in Mailand, in New York, in Paris. Ich weiß, dass sie die Sense lauter sausen hören als wir, dass Tausende Gestorbene sich als Zahl auf einen senken können wie ein schweres nasses Tuch. Zum Glück sind sie alle „safe“; persönlich kenne ich keinen, weiß von keinem, der oder die schwer krank oder tot wäre. Das Sterben ist so unsichtbar, dass schon behauptet wurde, die Rate hätte sich nicht mal erhöht. Gerade lesen wir: Sie ist gestiegen. Es sterben Abertausende mehr als üblich. Sie bleiben nur unseren Blicken entzogen. Die gruseligen Lkw-Kolonnen, die man von Italien zeigte (ihr habt’s im Fernsehen auch gesehen), die in Plastik gehüllten Toten, die man in New York mit Gabelstaplern in die Kühlwagen hob, werden wohl das ikonografische Bild der Seuche bleiben.

Aber hat nicht der Ausnahmezustand auch etwas Angenehmes? Die wirtschaftliche Bedrohung hat viele schon erfasst, für viele steht sie jedoch noch unscharf im Hintergrund. Das menschliche Kalkül: vielleicht entkomme ich, vielleicht geht es ja gut. Das trägt uns weiter. (Ihr würdet eher sagen: es kommt, wie es kommt.) Nie zuvor bin ich so gern durch die Stadt geradelt wie heute, fast jeden Tag für ein paar Stunden ins Büro. Nie habe ich die reine Luft lieber eingesogen, den blanken Himmel am Tag wie in der Nacht betrachtet, nie war die Ruhe einer Metropole schöner und schmerzhafter in Einem.

Seit Wochen unterrichte eure jüngste Enkelin und lerne selbst manches dabei. Es ist eine Herausforderung, weil viel Arbeitszeit verloren geht bzw. ich meinen Tag verlängern muss, bis ich abends erschöpft bin. Aber es ist auch eine Köstlichkeit, so nah und ausgedehnt mit meinem Kind zusammen zu sein, von seinen Stimmungswechselns, seinem Seelenleben so viel mehr mitzukriegen als sonst. Ich denke jetzt manchmal daran, wie ich in, im gleichen Alter, bei euch (damals bei uns) daheim am Küchentisch saß und meine Aufgaben machte.

Dann wieder überfällt es mich, besonders morgens, bevor die anderen aufstehen: die Welt ist aus den Fugen. Sie könnte noch viel mehr aus den Fugen gehen, sie könnte untergehen, wie wir sie kennen. Die Toten sind real. Ich denke wieder an euch, und wie gefährdet ihr trotz allem seid. Ich denke zurück an meine erste Tätigkeit, als ich euer Haus verließ – meinen Zivildienst in einem Altersheim. „Seniorenwohnpark“ nannte sich das.

Ich erinnere mich gut, wie es war, wenn jemand von den alten Leuten auf unserer Station damals starb. Und es fasst mich an, ich kriege weiche Knie, wenn ich mir Heime vorstellen muss, deren Bewohner gerade zu Dutzenden weggerafft werden. Als würde einer durch die Flure gehen und links und rechts mit einem Fingerschnippen die Köpfe hintüberkippen lassen auf ihre Brust. – Genauso falsch fühlt es sich an. Deshalb mache ich alles mit, was uns jetzt „zugemutet“ wird. Ich will, dass es sofort und für immer aufhört. Sicherheit ist immer auch die Sicherheit der anderen. Sie ist es zur Zeit in ganz erster Linie. Ich weiß, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt. Ich schreibe es euch, ohne zu wissen, ob ihr so denkt, ob es für euch diese Bedeutung hat. Das ist mehr ein Als-ob.

Bleibt behütet, liebe Eltern. Ich verstehe nun etwas mehr von euch, von eurer alten Angst, von der Beschränkung, mit der ihr aufgewachsen seid. Ich hoffe, wir sehen uns noch in diesem Jahr.

Die Zeit des Wünschens

Am 15. April 2020 sendete die Bayern-2-Kulturwelt einen Essay von mir, den zweiten aus der ersten Zeit des Covid-Schocks. Hier stelle ich ihn noch mal ein für alle, die ihn nachlesen möchten:

Seit Wochen habe ich nicht mehr gehört, dass München die nördlichste Stadt Italiens sei. Nachmittags auf der Piazza zu sitzen, mit den Nachbarn zu plaudern und einen Bitter zu genießen – dieses Bild war vielleicht früher schon etwas geschönt, und für die Nachahmung fehlte uns letztlich die Lebensart. Nun verschwindet aber das echte Italien in einem gierigen Schlund, der rülpsend die Knochen seiner Mahlzeit hochwürgt – leere Plätze, Bilder von Militärlastern und Ansammlungen nur noch von Särgen. Das war vor zwei Wochen; von diesen Bildern haben wir uns abgewandt.

Auch von den Zahlen haben wir uns abgewandt, sie haben ihre Fähigkeit eingebüßt, unser Mitleid zu erregen, sie faszinieren uns nicht mehr. Die Europäische Gemeinschaft leistet ihren Offenbarungseid, indem sie um Milliarden zankt und ihre einzig übrige Idee die Wirtschaft ist. Sie zeigt sich unfähig, nur tausend Kinder aus Flüchtlingslagern aufzunehmen, wo selbst die Zigtausend, die auf den griechischen Inseln ausharren, in unseren Bevölkerungen unmerklich Platz finden würden.

Das Gebot der Stunde lautet Solidarität. Verbundenheit. Wie zeige ich sie und mit wem? Praktisch jede unsere Handlungen wird unter diesem Gesichtspunkt geschärft. Wie viele Lebensmittel kaufe ich ein und wie viel lasse ich für die anderen? Wie genau nehme ich es mit dem Abstandhalten? Schließe ich noch meine Kinder in den Arm, wenn ich ein Kratzen im Hals spüre? Mache ich meine Grillparty im Hof und hoffe, dass mich keiner verpfeift, oder lass ich es lieber bleiben? Diese Fragen sind keineswegs trivial. Lassen wir uns den Mund verbinden oder gleich verbieten? Muss ich mich dem Kollektiv überlassen oder darf ich noch eine individuelle Haltung pflegen? Was sind die Kosten?

Nehmen wir zum Beispiel die Schutzmasken, einfache Sorte, auch Mund-Nasen-Schutz oder MNS genannt. Das Robert-Koch-Institut schreibt, dass die Schutzwirkung dieser Masken, nicht erwiesen sei. Dennoch könnten sie bei akuten Atemwegsinfektionen helfen,

     „das Risiko zu verringern, andere Menschen anzustecken.“

Das klingt nach einem naturwissenschaftlichen Jein.

Und so geht es mit einer unendlichen Reihe von Dingen. Was macht es mit Dementen, wenn ihre Nächsten sie nicht mehr besuchen dürfen. Wie bringt man sie dazu, nicht mehr in die Zimmer anderer Bewohner zu laufen. Aber auch: Warum haben wir Heime, in denen weit über hundert alte Menschen konzentriert sind? Was macht es mit unseren Kindern, ihre Freunde nicht mehr sehen zu dürfen und keinen geregelten Unterricht zu haben? Meine jüngste ist schon zwei Monaten nicht mehr zur Schule gegangen. Wie viel muss ich daheim sein, um sie unterstützen, und wie viel an meinem Arbeitsplatz, um sie mitzuernähren?

Was bedeutet Verbundenheit? Ich kümmere mich um meine eigene Familie, das ist einfach. Aber schon hier kann es Risse geben, kleine Verteilungskämpfe oder abweichende Vorstellungen über die Frage, wie streng die Einschränkungen für Ausgehen, Einkaufen, Kontakt mit anderen Menschen einzuhalten sind. Wie stelle ich mich zu den Autorenkollegen, deren Bücher dieses Frühjahr im Nirgendwo stranden, kann ich Ihnen beistehen, muss ich für sie zurückstehen und darf ich mich selbst noch äußern, ohne ihnen das Letzte an Aufmerksamkeit zu stehlen? Muss ich Gutscheine kaufen, damit geschlossene Geschäfte später wieder öffnen können, soll ich die immunschwachen Völker Brasiliens in den Blick nehmen oder lieber auf die Senioren in der Nachbarschaft achtgeben?

Das alles ist nicht neu, wir wägen Tag für Tag die Dinge ab. Neu oder besonders ist die Dimension. Denn eine falsche Abwägung kann Leben kosten. Und wir wissen nicht in jedem Fall, wo unsere individuelle Verantwortung beginnt und wo sie endet.

Gegen das Unwissen spreche ich Wünsche aus. Ich wünsche mir von der Politik, dass sie sich über das Symbolische hinaus solidarisch zeigt, gegenüber unsern Freunden in Italien und Spanien und weiter weg. Ich wünsche mir, dass wir nicht gespalten werden in eingesperrte Alte und Kranke hie und frei lebende Gesunde und Junge da.

Ich wünsche mir, dass man uns Verantwortlichkeit zutraut, statt aus dem Smartphone eine elektronische Fußfessel zu machen. Ich wünsche mir, dass die Luft rein bleibt und mancher Jogger und Radler weniger stur wird. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin die Vielen bleiben, die sich freundlich und leicht verlegen begegnen nach dem Motto: nimm’s mir nicht übel, wenn ich einen Bogen um dich mache. Ich wünsche mir, dass wenig Leute sterben, vom Rhein bis an den Amazonas, den Hudson River, den Jang-Tse, den Kongo. Ich will an andere denken und ich wünsche mir, dass andere auch mich nicht vergessen.

Denn diese Zeit ist auch voll Hoffnung auf unsere Findigkeit und Kraft. Es gibt viel anzupacken, und sei es vorerst nur vom blöden Schreibtisch aus.

Zwei Meter Abstand

München, 1.4.2020

Ihr Lieben alle,

ich hätte nie gedacht, dass ich mal heule, wenn irgendein Regierungschef was sagt. Aber gestern, als G. Conte der Tagesschau ein Interview gab, hatte ich Tränen in den Augen. Es war es beinah schon egal, was er sagte. Hinter ihm die zwei maskierten Männer und die Frau, die italienische Fahne auf Halbmast. Das waren die Bilder. Beinah 12000 Tote. Das war die Zahl. Die Zahl ist nutzlos, ihre Halbwertzeit liegt bei zwölf Stunden. Ich war auch nie der Fahnentyp, das ist mir zu emblematisch, zu offiziell, zu dick. An diesem Abend war es einfach der kürzeste Weg, um Scheiße zu schreien. Es ist ganz klar egal, ob wir die Toten nach Heimen, Landkreisen, Ländern oder Kontinenten zählen. Jeder von ihnen ist einer zu viel. Jeder schmerzt, und wenn mir einer sagt, wie viele Leute an der Grippe sterben, ohne dass wir darüber reden, wie viele Leute sowieso täglich sterben, dann möchte ich ihm die Fresse polieren. Jeder Tote ist, verdammt!, zu viel.

Wir haben Freunde in Mailand, sie sind seit vielen Wochen eingesperrt, eine alte Mama im Haus, die sorgfältigst isoliert wird, um nicht krank zu werden. Kinder im Haus, sechzehn und achtzehn, die online Unterricht nehmen. Wir hören nicht viel voneinander, man kann ja nicht gut reden oder schreiben, die Freude fehlt und manchmal auch der Mut. Kauft Masken, schrieb unsere Freundin von dort. Sie ist Architektin, sie ging noch eine Zeitlang auf die Baustellen, jetzt ist sie auch daheim. Was macht es mit den Leuten, wenn sie wochenlang quasi unter Arrest stehen.

Bei mir kitzelt es die Hysterie. Ich bin versessen auf die Zahlen, die Stunde um Stunde steigen, ich bin versessen auf alles, was das Internet mir in den Kopf spülen will. Es ist besser als nichts. Ob es mich beruhigt, bezweifle ich. Morgens sitze ich in der Küche, ich stehe immer als erster auf. Ich mache mir einen Kaffee und ein Müsli, stelle das Radio an. Es ist eine Routine. Dann schießen mir die Tränen in die Augen. Bei irgendeiner kleinen Nachricht, manchmal bei etwas, das mir tröstlich scheint, bei dem ich mich fühlen kann, als gäbe es da Leute, die was tun. Oder wieder bei den Nachrichten. Wir haben Freunde in New York, die an den Unis sind, die ihre Jobs behalten haben, die gesund sind. Aber Gesundsein ist ein Gut auf Abruf. Die Heulerei geht mir schon auf den Sack, ich rappel mich zusammen. Nachher werd ich für meine Jüngste Lehrer spielen.

Eine Nachbarin, die allein lebt, hat seit einer OP etwas engeren Anschluss an unsere Familie. In ihrer Rekonvaleszenz war sie ein paar Mal zum Essen da, ab und zu benutzt sie unseren Backofen – solche Dinge. Ein paar Tage, nachdem die Ausgangsbeschränkung inkraftgetreten ist, kann ich es nicht mehr leiden, dass sie bei uns ein- und ausgeht. Hat sie nicht vor einer Woche noch in der Gastronomie gearbeitet? Eine Hochrisikoperson. Es regt mich auf, dass sie noch reinkommt, es regt mich auf, dass es meine Frau nicht aufregt. Es regt mich auf, dass mich das aufregt. Schon wieder könnte ich heulen.

Das meine ich mit Hysterie. Aber eigentlich, vielleicht mit etwas mehr Dulden verbunden, handelt es sich um Melancholie. Der Schmerz über die Welt, die wir nicht ändern können, die immer noch so viel größer ist und stärker als wir Menschen. Die Resignation, die sich nicht zum Einverständnis wandeln will. Es ist nicht gut so. Das ist nicht gut.

Vormittags bin ich jetzt Lehrer, nachmittags versuche ich zu schreiben. Meine Frau hat noch Arbeit. Mir wurde ein Stipendium zugesprochen. Beides zusammen hält uns vorerst über Wasser. Vorerst sind wir versorgt. Ein Freund von mir schreibt, dass sich mit seinem Buch fast nichts mehr tut. Anfang März, bei der Premiere, waren 300 oder 400 Gäste (das schien damals noch möglich, ungefährlich, aber Husten war schon nicht mehr ok, man wurde grimmig angeschaut). Ein anderer schreibt mir, dass er seine Lektorin nicht sprechen will. Er befürchtet, dass sein Roman im Herbst erst gar nicht mehr erscheint. Eine Freundin muss die Eröffnung einer Ausstellung auf eine Website verschieben, ein weiterer Freund stellt gerade im öffentlichen Raum aus. Nur einen öffentlichen Raum gibt es gerade nicht.

Ich esse mehr, ich trinke  mehr, ich sehe wieder fern. Ich mache wenig Sport. Wahrscheinlich habe ich zugenommen. Ich lass mich treiben. Auch hier.

Es ist niemand krank, den wir kennen. Es kennt niemand jemanden, der jemanden kennt, der krank ist. Andererseits: wissen wir es? Man könnte „es“ (gehabt) haben, ohne es zu merken. Man könnte andere angesteckt haben oder es noch tun. Man könnte vor der Kontaktsperre mit jemandem zu lange zusammengesessen haben. Meine halbe Familie war zum Skifahren in Südtirol, die jüngste hatte nachher Fieber (aber insgesamt keine passende Symptomatik). Sie ist seit dem 22. Februar nicht mehr in der Schule. Dann wurden die Schulen zugemacht. Die Lehrer schicken Materialien, ich sitze mit ihr da und unterrichte: Englisch, Deutsch, Mathe, Französisch. Bio, Musik, Geschichte. Und noch mehr. Wie erkläre ich einer Sechstklässlerin, wann im Englischen die Verlaufsform, Vergangenheit, verwendet wird? Ich mache das nach Gefühl und sicher öfters falsch. Wann haben Sie zum letzten Mal den Flächeninhalt von Trapezen berechnet? Und was stand noch mal für die Patrizier, der Magen oder die Glieder? Jedenfalls lerne ich viel. Die Ältere lernt allein oder in Videogruppen. Sie hat einen Bänderriss vom Skifahren mitgebracht, wird heute operiert. Besuchen dürfen wir sie nicht. Verdammt, schon wieder habe ich Tränen in den Augen, als ich sie vorsichtig umarme: Alles Gute! Da geht sie aus der Tür, ich darf nicht mit.

Ich lerne mich neu kennen. Ich fahre ins Büro, ein paar Stunden Konzentration, wenn es gut geht. Ich fahre mit dem Rad. Ich begegne dort niemandem oder vielleicht zwei Mal die Woche auf dem Gang einem Menschen, mit fünf Metern Abstand und für eine Minute. Vor der Tür sitzt eine Frau, sie scheint da essen zu wollen. Ich steige vom Rad, schließe umständlich ab, sie hat genug Zeit, aber sie bleibt sitzen. „Könnten Sie ein wenig zur Seite rücken?“, frage ich sie. Sie schaut mich durchdringend an. Sie überlegt etwas, vermutlich, was für ein Arschloch ich bin, ein großes oder ein richtig großes. Da sie nicht antwortet, fahre ich fort: „Wollen sie nicht?“, bereit, mich tapfer an ihr vorbeizuquetschen. Sie mault, steht aber auf. „Es könnte ja auch sein, dass es Sie stören würde, wenn ich so dicht an Ihnen vorbeigehe. Darüber können wir uns doch verständigen“, versuche ich es immer noch. Ihre braune Brotzeittüte, in der, dem Umriss nach zu urteilen, etwa eine Plastikschale mit einem Salat stecken könnte, liegt noch da, obendrauf ein Schweizer Messer. „Ich glaube nicht, dass wir uns verständigt haben“, sagt sie giftig und ich, indem ich den Zahlencode eintippe und die summende Tür aufdrücke, gebe zurück: „Das glaube ich auch. Insofern passt es dann ja wieder.“

Ich bin unendlich sauer. Warum fordert sie mich so heraus? Zu anderen Zeiten hätte Sie mich auch gestört, für mich ist ein Gebot der Höflichkeit, Wege oder Türen freizugeben. Aber jetzt macht es mich wütend, ein Affront, ich will, dass alle sich verhalten wie ich und Rücksicht nehmen. Es ist keine drei Wochen her, da habe ich gefeixt, als hinter mir an der Supermarktkasse eine Frau den wiederum hinter ihr Stehenden angiftete: „Halten Sie Abstand!“ Jetzt kann ich es selbst nicht leiden. Zwei Meter sind, genau genommen, noch zu nah. Kommt mir da jemand auf dem Radweg entgegen? Todesstrafe! Husten? Zehn Jahre Gulag. Erstaunlich, was alles in mir drin steckt.

Meine Eltern sind 90 Jahre alt, sie leben im Bergischen, NRW, das ist kein Hotspot, wie man nun sagt. Sie sind so alt, dass sie schon keine Angst mehr haben. Sie leben schon lange in Quarantäne, seit mein Vater vor ein paar Jahren seinen Führerschein abgab. Sie bleiben in ihrem Haus, der Pflegedienst kommt, meine Geschwister versorgen sie mit Dingen des täglichen Bedarfs. Ich wollte hinfahren und die Blumenbeete machen. Wir wollten mit den Kindern über Ostern hin. Daraus wird nichts. Aber meine Eltern klagen nicht. Sie haben eine besondere Art von Ergebenheit, „et kütt wie‘t kütt“, sagt der Rheinländer. Als die Läden schließen und die Ausgangsbeschränkungen kommen, rufe ich meine Mutter an. Es ist wie 39, sagt sie, als die sich einbildeten, sie müssten den Krieg anfangen und sich halb Europa unter den Nagel reißen.“ Sie erzählt von einem Mädchen, das bei ihnen zu Besuch war und sofort zurück nach Hause musste. Die Eltern hatten Angst, dass sie sonst nicht zurückkommen könnte. „Damals gab es auch gleich nicht mehr alles zu kaufen“, sagt sie.

Der Unterricht fand nicht mehr regelmäßig statt. Ein andermal erzählt sie, eine Zeitlang sei ein Mädchen aus Frankfurt in dem hunsrücker Dorf gewesen. Später hätten die Eltern es zurückgeholt. Es sei mit dem Haus verbrannt.

Die alten Leute brauchen keine Kriegsrhetorik, sie denken auch so an daran. Vielmehr denken sie aber an das Leid. Der Grund scheint austauschbar. Meine Mutter sagt auch: Das Ende der Welt kommt. Zwar langsam, aber es kommt. Sie findet es richtig, denn die Welt ist aus den Fugen. Da werden nach Schweinedärme zum Waschen nach China geschickt und kommen dann gesäubert zurück für unsere Wurst. Eine Frau, die selbst noch Därme gereinigt hat, kann darüber nur den Kopf schütteln.

Mittags koche ich was für meine Töchter und für mich. Nachher gehe ich mit der Jüngsten raus, wir spielen ein bisschen oder machen Sport, sie hat vom Hockey einen Heimtrainingsplan bekommen. Ich gebe den Clown, ich versuche irgendeine blöde Leichtigkeit in den Tag zu bekommen. Die Elfjährige lacht, macht selber Scherze. Ich lache auch. Die Leute draußen, an einem Sonnennachmittag auf der Theresienwiese, sind gut drauf. Sie treiben Sport, es sind nicht weniger, es sind mehr Menschen als sonst draußen. Niemand ist krank, so weit sich das beurteilen lässt. Die Seuche fühlt sich wie ein Fake an. Dann landet der Hubschrauber auf der Wiesn, Feuerwehr, Notarzt, Polizei sind da wie immer. Gibt es noch Verkehrsunfälle? Oder ist das ein Patient, der dringend beatmet werden muss? Zu Füßen der Bavaria steht die mobile Teststation, weiträumig mit einem Bauzaun abgesperrte Zelte. Ein paar Autos fahren hin und weg. In den ersten Tagen war das eine lange Schlange von Wagen, die oben von der Straße an der Bavaria vorbei die Rampe hinabfuhren. Ein Bild wie bei Edgar Reitz, als die Hunsrücker nach dem Hungerwinter wegziehen Richtung Südamerika und lange Wagenreihen durch die Landschaft schneiden. Der Bauzaun war anfangs mit weißen Planen verhängt und es kam mir vor, als würden die Fahrer der Autos sich einer nach dem anderen dem Moloch, dem Tode einhändigen. Ich fahre nicht gern daran vorbei, und wenn, mit Abstand.

Abends stürzt die Welt über meiner Tochter ein und ich spiele Atlas. Viel Nacken habe ich nicht, will mir scheinen. Sie näht Masken für uns, von Hand, weil die Maschine kaputt ist. Kann man noch Nähmaschinen reparieren lassen? Meine Brille geht kaputt, wir kleben sie. Hat der Optiker noch auf? Das sind so Fragen, die plötzlich eine Schwere haben, unlösbar scheinen. Ich will nicht drüber spekulieren müssen, ob die Reparatur einer Brille noch gelingen kann.

Für meine größere Tochter gehe ich ins Sanitätshaus, ihre Schiene muss angepasst werden. Am Eingang spritze ich mir Desinfektionsmittel zunächst versehentlich auf den Ärmel, dann auf die Hände. Der Hinweis auf den Aufzug, kommt mir vor wie eine Order, ich nehme statt der Treppe ihn. Den Knopf muss ich gedrückt halten, damit er nicht stehen bleibt. Während ich also eine halbe Minute lang drücke, frage ich mich, wie viele Viren in der Zeit vom Liftknopf auf meine Finger übergehen könnten. Nachher werde ich mir sicher die Augen reiben, ich denke nicht immer daran, es bleiben zu lassen. Vor der Theke im ersten Stock ist mit Klebeband eine Linie gezogen. Ich beuge mich vor, um etwas auf der Theke abzustellen, beuge mich wieder zurück. Die Frau vom Sanitätshaus scheint entspannt, wir grinsen dämlich. Wir tun etwas, das zugleich gut und absurd erscheint. Sicher halten wir uns beide für gesund und unser Gegenüber nicht für gefährlich. Trotzdem machen wir diese Verrenkungen, sprechen leicht zur Seite, nicht zu laut. Bloß nicht den anderen mit dem eigenen Atem treffen.

Ich atme mit unglaublicher Wonne. Die Luft ist ja rein, aber das macht es nicht aus. Ich habe mich im Verdacht, mein Atmenkönnen zu genießen. Die Offenheit der Lunge. Es ist ein schuldiger Genuss. Ich lese etwas über Beatmung, was es mit Menschen macht, das auch nur zwei Tage nicht selbst zu tun. Ich bin mal wieder bedient. Im Fernsehen erklärt ein Arzt, wie Menchenblut aus der Leiste ausgeleitet und „oxygeniert“, dann wieder eingeleitet wird. In den Nachrichten werden wieder Militärlaster gezeigt, dazu ein Kommentar, der sagt, was ihre Ladung sei. Über achthundert Tote in Italien binnen 24 Stunden, dafür steht ein Bild mit sechs bis acht Holzsärgen. Warum kann ich tausend fühlen, wenn ich sechs sehe? Das bleibt ein Rätsel. Bilder aus Kliniken tauchen auf, sie zeigen technisches Gerät, bevorzugt Schläuche. Einmal ein Haarschopf, einmal ein halbes Gesicht. Menschen erkennbar zu zeigen, ist nur mit deren Einverständnis erlaubt. Reicht das schon aus, um diese Bilder zu erklären? Warum wirkt ein Intensivbett so trostlos, noch dazu ein leeres? Wo sind die Menschen, wo sind die Leidenden? Ich sehe keine Kranken in den Medien. Wo findet das alles statt?

Jeden Tag gibt es neue Wörter. Krankheit und Erreger sind so kompliziert benannt, dass niemand die richtigen Begriffe verwenden mag. Auf einmal sind systemrelevante Menschen unter uns, womöglich direkt neben oder in Personalunion mit Superspreadern. FFP2 wird ein gängiger Begriff. Das sind die Wörter zu den Bildern, gruselig und steril zugleich. Auch alte Wendungen tauchen auf, in meinem Kopf zumal: Wenn jemand außerordentlich viel aß, pflegte meine Mutter zu sagen: der isst, als würde es morgen nichts mehr geben. Auf einmal ahne ich, wie viel Erfahrung darin aufgehoben ist. Die leeren Regale sind sichere Künder – wie 39, als es „gleich“ nicht mehr alles zu kaufen gab, obwohl bis tief in den Krieg hinein in Nazi-Deutschland wenig Not herrschte.

Die Maske, die meine Tochter mir genäht hat, ist zu klein für mich. Sie sagt es gleich, bevor ich sie noch anprobiert hab, sie hat recht. Sie will mir eine zweite nähen. Die Leute draußen, mit ihren Tüchern, schlampig vorgebundenem, manchmal schon angegrautem Mundschutz, wirken besonders niederschmetternd. Sind das die Kranken? Sind das die Menschen, die bereits kapituliert haben, anerkennen, dass das Virus stärker ist als sie? Sind es die Dummen, die sich Keimfabriken vor die Nase hängen, oder die Klugen, die wissen, wie man sich und andere schützt? Den größten Bogen mache ich um jene. Zwei Meter reichen nicht.

Wie leicht aus Menschen auf der Straße Feinde werden können, Regelübertreter oder Übergeneralisierer. Ich begreife, dass etwas stärker ist als wir. Das ist es immer, nur wir vergessen es sonst. Diese Tatsache anzuerkennen, heißt aber nicht, damit einverstanden zu sein. Ich protestiere, im Namen meiner Freunde in Italien, in den USA, in Spanien, wohin die Fäden heute nur noch lose sind. Ich bin dankbar, dass die Kinder meistens verschont bleiben, und dennoch empört, dass es die Alten trifft. Es soll niemanden treffen! Ich protestiere. Jeder Tote ist einer zu viel. Jeder Lebende ist eine Freude. Sie alle haben ein Gesicht. Ihr Lebenden alle, vergesst sie nicht. Vergesst euch nicht, ihr Menschen, ihr Lieben alle.

Euer Thomas Lang

Aus der Wirklichkeit ins Netz – vom Netz zum Roman

Schreiben im Austausch mit einer Community – wie geht das vonstatten? Thomas Lang hat es ausprobiert. Unterstützt von Fridolin Schley und dem Literaturportal Bayern ist aus einer wahren Geschichte ein Netzroman geworden. Und aus dem Internetprojekt wurde schließlich Langs aktueller Roman Freinacht. Die beiden Autoren zeichnen im Gespräch nach, wie im 21. Jahrhundert Literatur entsteht. Thomas Lang liest dazu aus seinem aktuellen Roman.

Do., 13.2.20, 19.30 h – Der Eintritt ist frei. (Kalender-Eintrag)

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